Balchik

Die groß angekündigte Langeweile, die nun im Bulgarien-Part dieser Fahrt den Ton angeben soll, muss noch einmal vertagt werden, denn wie schon auf Rügen'21 und Sri-Lanka'24 blutet mal wieder ein Kopf.
Nach wunderbarem Frühstück am Pool brach der Vater nämlich zu einer seiner berüchtigten Wanderungen entlang der Küstenlinie auf. Kilometer um Kilometer schritt man schließlich seit Jahren - übrigens bis zum heutigen Tage unverletzt - durch touristisch geprägten Räume. Heute sollte es ins etwa 7km entfernte Albena gehen. 
Und dieser Weg war zunächst  von allergößter Vorzüglichkeit und wurde schon als künftige Joggingstrecke ins Auge gefasst, als er plötzlich etwas schlechter wurde und da: ein Ast, tief. 
Der Kopf lief leider nicht komplett drunter durch, viel viel Blut mitten im Nirgendwo.
Das mit dem Blut war irgendwann fast wieder gut, aber nur fast. Und so wurde der Vater von seiner durchaus besorgten Gattin zunächst nach Hause gepfiffen und dann ging es gemeinsam in ein trostloses Gebäude namens "Balchik-Hospital", in welchem exakt eine Ärztin ihr Unwesen treibt.
Zuvor musste der Herr aber irgendwie ja erstmal zurück.
Gar nicht leicht, denn die Bushaltestelle Albenas war zwar klar und deutlich erkennbar, davor befand sich aber ein böser und unüberwindbarer Zaun. Schnell stellte der nur leicht blutende Vater fest, dass er nahezu komplett eingezäunt ist. Irgendwie lotste ihn das Navi nämlich in eine Art Wasserpark mit Rutschen und PiffPaffPuff überall und dass man vom Wasserpark einfach so ohne Zaun zur Haltestelle gelangt, das kann ja keiner ernsthaft wollen. 
Irgendwann wieder auf der Straße bekam er dann noch zwei Körbe von Taxifahrern, die sehr bestimmt erklärten, die käsige Fahrt von Albena nach Balchik definitiv leisten zu werden. Irgendwann kam dann der rettende Bus und der Vater stand nach einem Irrweg durchs Labyrinth auf der richtigen Seite des Zaunes.
Das Balchik-Krankenhaus wirkte wie gesagt etwas verlassen. Wir mussten uns im gruseligen Mehretagenbau erstmal zurechtfinden. Es gab Anlaufschwierigkeiten. Die erste pantomimische Darstellung unserer Situation wurde jedenfalls als Wunsch, einen Haarschnitt zu erhalten, fehlinterpretiert, dann aber sorgte sich die wohl einzige Ärztin des Hauses rührend um den blutenden Kopf, war aber leider irgendwann mit ihrem Latein am Ende und überwies den Vater ins größere Krankenhaus ins rund 40km entfernte Varna.
Warum der Tourist denn nun ausgerechnet ins Saint-Anna-Hospital von Varna geschickt werden sollte, wunderte sich der Taxifahrer, der während der Fahrt übrigens auch zahlreiche Konversationen mit seinem Smartphone in mündlicher wie schriftlicher Kommunikation zu erledigen wusste. Normalerweise werden skandinavische Pauschaltouristen, so der Taxifahrer, in ein ganz anderes Krankenhaus geschickt. Noch nie fuhr er jemanden ins Saint-Anna. Schnell wurde geklärt, dass der Verletzte kein skandinavischer Pauschaltourist, sondern ein deutscher Individualtourist ist. Dann ist klar, dann Saint-Anna. Aha.
Wir brechen den Blog-Eintrag hier ab und lösen zunächst mal nur auf, dass die Familie wieder vereint in Balchik zu Abend essen konnte. In der Frisur des Vaters befindet sich nun das Ergebnis einer mehrstündigen und etappenreichen bulgarischen Krankenhausbehandlung. Und es sieht aus wie: eine leckere Zimtstange.
Viele sonderbare Geschichten trugen sich zu im Saint-Anna-Hospital zu Varna, von denen hier morgen berichtet werden wird, denn sonst, so der Plan, soll hier morgen überhaupt gar nichts weiter passieren, das von berichterstatterischem Wert wäre. Deshalb schon mal als Teaser ein belangloses Bild aus einem Supermarkt:

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