Bran

Die Menschen hier sind manchmal etwas wortkarg. Gestern fragten wir die Kellnerin des Restaurants, wie lang der Stromausfall denn insgesamt dauerte. Entsetzte Augen und dann ein "I don't know", als hätten wir nach Details über seltene chemische Verbindungen oder politische Ordnungen früherer Jahrhunderte gefragt. 
Andererseits: Als der Vater im selben Lokal gerade ansetzte, sein "Tochitura a la Cristi cu mamaligut ou ochi și brânză" zu bestellen, da wurde er von der Kellnerin bereits nach dem "Toch" unterbrochen. "Traditional Romanian Food", murmelte sie in ihren Block und setzte ein "for the German Idiot" in Gedanken hintendran. 
Heute saßen wir dann im Uber, denn Rumänien ist voll von Uber-Fahrzeugen, und wollten uns zum nahegelegenen Bären-Gehege nach Zărnești fahren lassen. 
"Do you know this Bear-Station? In Zărnești?", fragten wir den Fahrer. Ein ratloser Blick. "Ursus?" (vielleicht hilft ja Latein und Bildungssprache). Dann ein entschiedenes, fast gelachtes "No!" des Fahrers, der aber interessanter Weise dennoch in der selben Sekunde losfuhr und uns tadellos am Bärengehege absetzte. 
Dort in Zărnești passieren aus Bärensicht wunderbare Dinge. Gut, erstmal wird man kastriert, aber dann in einem 69 Hektar großen Gelände komplett in Ruhe gelassen. Jeden Tag um 11 Uhr schmeißen Wärter tonnenweise Essen über den Zaun, sodass der Song "Ich zähle täglich meine Sorgen" von Peter Alexander hier wohl niemals zu hören sein wird. Obwohl - die lieben Braunbären haben alle schon blöde Dinge erlebt: Zirkusse, enge Käfige, Misshandlungen. Aber jetzt im schönen Zărnești ist Quality-Time angesagt. 
Runter ins Tal liefen wir dann gut zwei Kilometer selbst. Die Schuhe, erst heute Morgen frisch geputzt, sind also wieder dreckig. Können wir nix für. Rumänien ist derzeit halt das Land des Schlamms.
Am Nachmittag stand der Besuch von Schloss Bran auf dem Programm.  
Schloss Bran hat, wie in jedem Reiseführer betont wird, absolut nichts mit Dracula zu tun, denn weder Vlad, der Pfähler noch Bram Stoker waren jemal hier. Da es aber zu 100% aussieht wie ein Dracula-Schloss, schieben sich tausende von Touristen durch die engen Treppen, Gänge und Türen des an sich sehr hübschen Schlosses. 

Kommentare