Wie schläft es sich in Brünns Bunker? Nur so mittel, weil bretthart mit Feldbett-Eisenstange im Rücken und in einem humorlosen zentimeterdicken Schlafsack. Wenn man nachts mal "raus muss", und das müssen Herren in einem gewissen Alter, dann findet man irgendwo im endlos langen und mit Gasmasken liebevoll dekoriertem Gang einen Raum, in dem sich zwar drei Duschen, jedoch nur eine Toilette befinden, letztere selbstverständlich besetzt. Es stellt sich ernsthaft die Frage, ob die Tschechen im Konfliktfall in ihren Bunkern offenbar wirklich häufiger duschen als pinkeln möchten.
"Geht beides gleichzeitig", rufen da die Tschechen. Gut, aber als heute Nacht das einzige Klo des Ganges besetzt war, sah es der Vater nicht ein, stattdessen einfach zu duschen oder zu duschpinkeln.
In Brünn hat es heute so viel geregnet, dass die Reisegruppe es gerade mal ins Café und danach in die schräg gegenüber liegende Kneipe geschafft hat. Cappuccino, Bier, Bahnhofsklo. Das waren unsere touristischen Highlights. Die Bälle spuckende 11-Uhr-Säule konnte gegen dieses Programm nicht anstinken und wurde entsprechend links liegen gelassen.
Tränenreich von den Eheleuten Hartmann verabschiedet, die tatsächlich am Brünner Bahnhof mit Taschentüchern winkten, fuhren wir dann nach Budapest. Hier war der Aufenthalt nur kurz. Es reichte aber, um ein wahnsinniges Lokal anzusteuern, welches nicht nur stilecht Pörkölt serviert, sondern die Getränke tatsächlich mit Hilfe eines ausgeklügelten Miniatureisenbahn-Netzes direkt auf die Tische fahren lässt. In den 80ern sowas mal in einer Donald-Duck-Geschichte gelesen, vierzig Jahre still davon geträumt und heute endlich erlebt. Köszönöm, Budapest.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen