Die Fahrt im Nachtzug war zwar beengt, denn etwa die Hälfte unseres Abteils nahm ein ausladend verkleidetes Waschbecken ein, weshalb nicht mehr viel Platz für drei übereinander hängende Betten, vier Gepäckstücke und drei Paar Schuhe blieb. Aber gemütlich war es trotzdem, so durch die Nacht von Ungarn nach Rumänien zu ruckeln.
In Sighisoara, Heimat von Vlad, dem Pfähler, aber auch von Klaus Knall, dem Dirigenten, steuerten wir nach einem Supermarkt-Frühstück einen Fahrrad-Verleih an. Denn für heute stand ein Ausflug ins 15km entfernte Apold (Trappold) an.
Die Strecke, die wir dafür auserkoren, war dem Typen beim Fahrrad-Verleih dann aber irgendwie zu uncool, weshalb er uns anriet, auf dem Rückweg nicht die langweilige Straße zu nehmen, sondern den Weg über Stock und Stein, den er uns gestenreich und mit vielen Fotos und Google-Maps schmackhaft machen wollte.
Hin nach Apold ging es über die sanften Hügel Transylvaniens also wie am Schnürchen, vorbei an Mais, Schaf und Sonnenblume. In Apold besichtigen wir (gänzlich an Burgen und Kirchen Uninteressierten) die Kirchenburg des Ortes. Diese befestigten Kirchen stehen hier überall rum und jeder Rumänien-Tourist muss mindestens eine von ihnen bewundern und das haben wir heute somit getan. Haken dran.
Vor der Rückfahrt dann die folgenschwere Entscheidung, tatsächlich nicht auf der Straße zurück nach Sighisoara zu fahren, sondern sich an den flinken Finger des Fahrrad-Typen zu erinnern, der über die Karte fegte und seltsamerweise praktisch an jeder Kreuzung links abbog. Gewarnt wurden wir vor drei Dingen: Schlamm, Hunde und Bären. Gegen letzte helfe es, wenn man im Wald ein wenig Krach macht, das verscheucht die Bären. Doof ist's wohl nur, wenn man keinen Krach macht und der Bär sich dann erschrickt, dass da plötzlich jemand so leise vor ihm steht. Dann kann er schon mal durchdrehen, der Bär.
Die Fahrt verlief zunächst ganz okay. Schon bald aber kam Warnung 1 (Schlamm) zum Tragen. Der Schlamm nämlich setzte sich so zwischen Vorderrad und Schutzblech fest, dass sich das Vorderrad einfach nicht mehr drehen mochte. Und zwar sowohl bei der Mutter als auch beim Vater.
Ein Fahrrad, das nicht fährt, sondern sich in etwa so schön bewegen lässt wie eine Kommode, ist ein äußerst ärgerlicher Gegenstand bei einem Ausflug. Irgendwann war der Dreck dann zum Glück nicht mehr im Fahrrad, sondern in unseren Klamotten, die damit zu beträchtlichen Teilen schon an Tag 3 vollkommen hinüber sind. Die Räder rollten aber wieder.
Laut Warnung 2 (Hunde) sollte man einfach stehen bleiben, wenn da einer ist. Gut, wir mussten aber trotzdem vorbei an zwei kläffenden Exemplaren und als wir es hinter uns erst rennen, dann bellen, dann schmatzen und dann sogar knurren hörten, da stiegen wir so heftig in die Pedale, dass die Köter aufgeben mussten.
Und die Bären? Die kamen nicht, denn wir befolgten den klugen Rat und machten Lärm. "Määäp Määääp" schrie die Mutter alle 500m, "Mööööp", ergänze der Sohn und wir alle hofften, dass dies nicht ausgerechnet der Lockruf der brünstigen Bärin sein möge...
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