Sighisoara - Bran

Die erste Nacht in einem richtig, richtig guten Bett. Am Morgen hatten wir alle Nackenschmerzen vor Glück. 
Wir durften heute noch einen halben Tag in Sighisoara verbringen, ehe der straffe Reiseplan den nächsten Ortswechsel vorsah.
Und so latschten wir durch das hübsche Städtchen und erklommen 176 Stufen zur ehemaligen Schule der Stadt, die die Helikoptermütter Sighisoaras bereits im 17.Jahrhundert vollständig überdachen ließen, auf dass ihre armen Weichei-Bälger auf dem steilen Weg nach oben nicht nass werden. 
Unten dagegen reiht sich heute Souvenirshop an Souvenirshop. Und in diesen stehen vollkommen selbstverständlich Tassen nebeneinander, die den Fürst der Finsternis und die Mutter Gottes zeigen und um das Unheil komplett zu machen, gesellt sich hier und da auch eine Tasse mit dem sanften Antlitz Nicolae Ceaușescus dazu. 
Wir verließen nachmittags Sighisoara und schleppten uns in irrsinniger Langsamkeit durch das immer nasser werdende Rumänien. Der Zug nach Brasov durfte, wie nahezu alle Züge des Landes, maximal 45km/h fahren, der Bus, mit dem wir anschließend nach Bran fuhren, stand fast nur im Stau. 
Und dann quietschten die Warn-Apps unserer Handys, von denen wir erst dachten, es sei der Zug, der so doof piepst. Warnung "orange" hier, Warnung "extrem" dort. Gewitter und Starkregen, Rumänien säuft ab. Die Wolken jedenfalls hingen so tief in den Bergen, das man es schon fast geil finden musste. Das Setting für unsere Tour zum Dracula-Schloss war nahezu perfekt.
Hier in Bran angekommen dann überall Schulterzucken: "No Electricity". Erst knipste der Vermieter der "Casa Dracula" zum besseren Verständnis der Situation drei, vier mal auf den gerade nutzlosen Lichtschalter, später wurde uns das gesamte Ausmaß der Katastrophe dann so richtig klar, als uns jedes Restaurant und jeder Supermarkt den Eintritt verwährte: No Electricity. Der ganze Ort zappenduster. 
"Can we have some Drinks", fragten wir in die dunklen Höhlen der Restaurants, aber auch diesen prinzipiell elektrizitätsfreien Wunsch wollte man uns nicht erfüllen. "No Electricity!" 
Hochwasser, Hunger, Stromausfall, Durst. In unserem Gepäck befanden sich zwei erbärmliche, beim Frühstück geklaute Kuchenstücke, eine halbe Packung Erdnüsse und ein Liter Wasser.
Gerade als wir uns fragten, ob man mit dieser Ausstattung eine mondlose Nacht in Transylvanien wird überleben können, ging - plopp - überall Licht und Musik an und etwa drei Minuten später sah man die Familie glücklich im Restaurant sitzen.

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