Balchik (2)

Im Krankenhaus Balchik sollte heute auf Geheiß des Arztes aus Varna die Kompresse am Schädel des Vaters entfernt werden, jenes Ding also, das so aussieht wie eine dekorative Zimtstange. Im Krankenhaus spukteb jedoch zwei Damen herum, die absolut nicht gewillt waren, diesem Wunsch zu entsprechen. Nach viel Gestik und Mimik, ein bisschen Englisch und dem Google-Übersetzer war die Situation soweit auskommuniziert: erst am Montag, also übermorgen, werde ein Chirurg vor Ort sein. Die beiden Damen seien jedenfalls keine Chirurgen und können somit unmöglich einen Verband entfernen.
Gut, kommt die Zimtstange halt erst am Montag ab. Die Mutter träufelt dem Vater solange liebevoll Jod in die Frisur und überhaupt gibt es ja Kopftücher und Hüte mit Gurken drauf. Hihi, keiner sieht den beschädigten Kopf darunter.
Doch wollen wir nicht länger über das Siechtum hier sprechen, auch wenn der Nachbar in der Notaufnahme gestern offenbar großes Unterhaltungspotenzial besaß. Schwerverletzt und schlecht gelaunt lag er da hinter einem Vorhang und machte sich durch seine bulgarischen Ausrufe zunächst vollkommen unbeliebt und wurde in Folge dessen von den bulgarischen Ärzten ordentlich beschimpft. Plötzlich kippte die Stimmung aber auf für das des Bulgarischen unkundige Ohr sehr plötzliche Weise. Der Schwerverletzte schien nicht ohne Charme und Verve zu meckern. Irgendwann jedenfalls lachten die Ärzte nach jedem seiner Sätze herzlich und das Schöne war: der Schwerverletzte lachte jedes Mal mit. Es war plötzlich sehr heiter in der Notaufnahme.
Und dann die Sache mit dem Neurologen. Dieser müsse unbedingt auch noch kommen und den Vater untersuchen.  "Muss nicht, I'm doing well", sagte der Vater, aber nix - man müsse auf den Schamanen der Neurologie warten. 
Dann trat nach 20 weiteren Minuten jemand auf den Vater zu, der ohnehin schon die ganze Zeit im Raum war und schien nun kurzerhand die unbesetzte Rolle des Neurologen zu übernehmen. Er stellte dem Vater drei Fragen: Ob er einen Filmriss nach dem Unfall hatte, ob er "vomiting" war, ob er doppelt sehe. Alles wurde wahrheitsgemäß verneint, auch wenn der Vater nicht wusste, was "vomiting" heißt, aber es getrost verneinen konnte, denn nichts, was ihm sprachlich unbekannt war, passierte gestern. Also auch kein "Vomiting", von dem der Sohn spät abends erläuterte, was für ein unangenehmer Vorgang darunter zu verstehen ist.
Nun aber wirklich Schluss mit Arztkram: heute lief der Tag so ereignisarm wie geplant. Man lag am Pool, auf dem Balkon, schritt ins Meer und wird demnächst ein Restaurant aufsuchen. 

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