Hotelismus, der kleine Bruder des Hospitalismus.
Wir beginnen langsam an Hotelismus zu erkranken. Es gelingt uns immer weniger, die stets gleichen Gestalten beim Frühstück zu ignorieren oder ihnen wertneutral zu begegnen.
Da wäre vor allem ein böses altes Paar zu nennen, das sich mit viel Gram und Grimm und tief hängenden Mundwinkeln über alles ärgert: den Kaffee, das gesamte Frühstück, nein: das gesamte Leben. Oder diejenigen, die morgens um 6:00 Uhr Liegen reservieren, aber erst spät nachmittags an selbigen auftauchen.
Ganz anders dagegen verhält sich hier eine ebenfalls stark an Hotelismus erkrankte uns wildfremde Dame, die unserem Sohn vorhin von hinten auf den Kopf tätschelte und dann wiehernd kicherte. So ist es halt, wenn tagein tagaus die gleiche Menschengruppe zur stets gleichen Zeit das stets gleiche Frühstücksbuffet aufsucht. Da dreht der ein oder andere schon mal durch und greift in anständiger Leute Frisuren. Schwamm drüber.
Ansonsten: seltsames Bulgarien...Dass Kopfschütteln hier "Ja" und Kopfnicken "Nein" bedeutet, das war uns zwar irgendwie bekannt, sorgt dann aber trotzdem oft für Schweißausbrüche, zum Beispiel im Krankenhaus, wo ein Kopfschütteln bei der Aufnahme natürlich erstmal richtig schlecht wirkt.
Dann - und das wussten wir nicht - gibt es hier eine seltsame Geste für "Bitte folgen Sie mir". Grob gesagt besteht sie aus einem nach unten weisenden Zeigefinger und sieht für uns so aus wie "Bleiben Sie bitte angewurzelt stehen".
Und das taten wir bislang auch immer artig, während sich der- oder diejenige, dem oder der wir zu einer Badehosenauswahl, einem Restaurant-Tisch oder einem Röntgenapparat folgen sollten, einfach alleine fortbewegt und sich wundert, weshalb ihm die festgewachsenen Deutschen nicht folgen.
Zu allem Überfluss, das ist aber hoffentlich nur ein Fehler und kein Kulturgut Bulgariens, wird unsere Dusche nur dann warm, wenn man die Mischbatterie in Richtung "Blau" dreht, das Kartenspiel "Uno" wird hier frech als "Umo" angeboten und auf der Promenade spielt ein Typ mit Saxophon ununterbrochen den "Ententanz".
Aber wie poetisch die Bulgaren sind. Wir haben mit Hilfe von Google mal übersetzen lassen, was auf dem Überweisungszettel drauf steht, den wir im Krankenhaus Balchik bekommen haben:
"Schwert des Slowaken wegen Seife"
"Rama auf den Kopf als Ergebnis"
Und wir möchten ergänzen: '"Krawehl! Krawehl!"
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