Die hauseigenene Köchin in Crișan kochte sich auch gestern für uns um Kopf und Kragen. Diesmal konfrontierte sie ihre einzigen Gäste mit zehn Paprikaschoten, gefüllt mit einem Gemüse-Fisch-Stampf. Die Tochter bekam natürlich wieder "vegetarisch", der Sohn war beim Wort "Paprika" schon raus.
Die Eltern gaben indes alles, verspeisten mit Begeisterung (Mutter) beziehungsweise mit viel den Fischgeschmack überdeckendem Joghurt-Dip (Vater) immerhin sechs Paprikas, während die Köchin einen Quadratmeter Apfelkuchen mit dem trockenen Hinweis "Dessert" auf den Tisch wuchtete.
Als wir am Ende unserer Kräfte waren, blickte sie traurig auf den Tisch und weigerte sich, neben den vier verbliebenen Paprikaschoten auch den übrig gebliebenen halben Quadratmeter Kuchen abzuräumen.
Stattdessen verpflichtete sie uns, selbigen mit in unseren Bungalow zu nehmen, wo sich der Vater dann heute morgen um die deutsch-rumänischen Beziehungen kümmerte und den Restbestand des übrigens sehr köstlichen Apfelkuchens abermals halbierte.
Zum etwa zwei Kilometer entfernten Hafen wurden wir glücklicherweise gefahren. Diesmal nicht per Motorboot wie auf dem Hinweg, sondern in bzw. auf einem seltsamen Fahrzeug, das hier alle nur "The Machine" nennen.
Auf der kleinen Ladefläche von "Machine" befanden sich nun drei Menschen mit sechs Gepäckstücken, vorne schmiegte sich derweil des Vaters Bein an das der wackeren Fahrerin.
Wir erreichten Constanța nach einer zweieinhalbstündigen Boots- und zweistündigen Busfahrt.
Und dafür, dass wir hier eigentlich nur sind, weil uns der direkte Weg ins bulgarische Balchik zu weit war, ist es schon ganz schön gut hier in Constanța.
Wir haben eine unfassbare Luxuswohnung gebucht, die - vermutlich fehlerhaft - damals für ein Fünftel des eigentlichen Preises zu haben war und genießen nun die mondäne Einrichtung am alleresten Platz der Stadt. Hier stehen ästhetische Sessel in intelligenten Ecken, überall hängen riesige Fernseher, es gibt neben Dusch- und Handtüchern im Badezimmer noch eine dritte Kategorie Tücher, deren Sinn uns vermutlich bei der Morgentoilette einleuchten wird und der Blick aufs Schwarze Meer ist natürlich inklusive. Von den Lichtschaltern mal ganz zu schweigen - die sind wirklich nur für Weltstars.
Nachdem wir den hässlichen Busbahnhof der sonst wirklich sehr schönen Stadt besucht und hoffentlich Tickets für unsere morgige Fahrt nach Bulgarien gekauft haben, nachdem wir anschließend völlig neue Ecken Constanțas sehen durften, da wir zurück den Bus in die falsche Richtung nahmen, da machten wir exakt das, was eine Million andere Menschen hier auch machen:Am späten Nachmittag waren wir am Strand der Stadt und selbstredend auch im Meer, das mit vorsichtig geschätzten 28° um Weitem wärmer ist als es letztes Jahr der Indische Ozean um Sri Lanka war; und am Abend dann lecker essen in der Altstadt.
Das zweistündige Suchen nach einem traditionell rumänischen Restaurant mit möglichst umfangreicher Veggie-Karte führte uns entkräftet zu einer neapolitanischen Pizzeria mit tschechischem Bier.
Danach flanierten wir über die Promenade, die - wenn wir all das Posieren und Fotografieren dort richtig deuten - morgen in absoluter Vollständigkeit auf Instagram abgebildet sein wird.
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