Wir leben hier ein wenig von der Hand in den Mund. Das ist nunmal so im Donaudelta, wo es nicht mal Straßen gibt. Wir sind hier also klein mit Hut. Das Gefühl der Selbstbestimmung, das sich zum Beispiel in der großen Freiheit zeigt, sich mit Hilfe eines Wasserkochers jederzeit einen Kaffee machen zu können oder entscheiden zu dürfen, was man so isst, das gibt es hier nicht.
Den entsetzten Vermietern konnten wir gestern allerdings erfolgreich erklären, dass die Tochter vegetarisch lebt. Und zwar nicht vegetarisch auf rumänische Art, sondern richtig vegetarisch (also auch Fische als Lebewesen anerkennend).Nun verhält es sich in unserer Familie so, dass neben der Vegetarierin auch für den Sohn und den Vater kein Fisch sein Leben lassen müsste, da den beiden Herren Meerestiere auf Tellern nicht behagen. Aber das kann man den Jungs und Mädels hier im Delta, wo es einfach nur die Donau und ihre Fische gibt, unmöglich erklären.
Und so wurde uns dann gestern neben einem vegetarischen Teller, der die pure Verzweiflung der Küche auf eigentlich recht liebevolle Weise zeigte, ein riesiger Teller gereicht, der Fische, klomplett und zerteilt, allesamt aber frittiert, in großer Zahl aufwies.
Sohn und Vater aßen Anstands-Fischhälften, während der Mutter schnell klar wurde, dass nur sie allein die Familien-Schmach wird verhindern können, indem sie zahllose Fischleiber bis zum Erleiden körperlicher Schäden würde verschlingen müssen.
Und so geschah es auch: der Fischteller war auf ein erträgliches Maß verspeist, die Mutter hatte Bauchweh, die anderen waren nur mäßig satt. Gleich ist's sieben, dann muss Familie Hoffmann wieder antreten gegen Neptuns Reich.
Heute ging es aber erstmal rauf auf die Donau, zum lebenden Getier.
Wir schilderten die Situation, fragten nach Kajaks und erwähnten, dass wir jetzt nicht unbedingt die Superprofis sind, aber die kleine Bootstour schon irgendwie managen würden.
Heute stand die Familie also stramm am Steg. Ein erstes Kajak wurde zu Wasser gelassen. Der Vater stieg ein und kenterte nach drei hilflosen Sekunden, in denen er, Arme und Paddel nach links und rechts schleudernd, dem Vermieter verdeutlichte, was wir gestern mit "nicht so die Superprofis" meinten. Nass und niedergeschlagen entstieg der Vater der zum Glück sehr warmen Donau. Das Kajak wieder aufzurichten war selbst im hüfthohem Wasser äußerst kompliziert, sodass der Bootsvermieter langsam ins Grübeln kam und vermutlich dachte, dass er seine Boote ganz eventuell, die naseweiße Familie aber sicher nicht wieder zu Gesicht bekommen würde. Er sagte schließlich "No" und wir sagten dann "Kanu".
Denn Kanus kippen nicht einfach so um. Kanufahren kennen wir vom Schlachtensee. Kanufahren können wir.
Es gab dann dummerweise nur ein Kanu für zwei Personen.
In diesem paddelten wir im Schichtwechsel über die Donau und ihre Seitenarme. Vorbei an Untiefen, Angelschnüren und gigantischen Frachtschiffen. Es lief super und ohne weitere Unfälle.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen